Sag mir wie du reist und ich sage dir wie du lebst
1.) Warum Mobilität?
Der Transportsektor verursacht etwas mehr als 20% der globalen CO2-Emissionen (1). Für Deutschland bedeutet dies, dass im Jahr 2023 Transport und Verkehr – mit Flugverkehr und Schifffahrt –173 Millionen Tonnen CO2 verursacht haben (2), ebenfalls ungefähr ein Fünftel der Gesamtemissionen. Dieser Sektor ist besonders wichtig für aktuelle Klimapolitik, wenn wir das Ausmaß, in dem wir die sicheren Grenzen der globalen Erwärmung jetzt schon überschreiten, beschränken wollen. Veränderungen in der Mobilität haben sofortige und potenziell einschneidende Auswirkungen auf Treibhausgasemissionen, denn die Art der Verkehrsmittel und der Antriebsformen beeinflussen die Menge an Emissionen pro Person/km immens:
Die Menge verursachten CO2 ist fünf- bis zehnmal so hoch für Flugpassagiere als für Zugfahrende, je nach Auslastung, und ist nochmal deutlich höher, wenn der Strom für die Züge aus 100% erneuerbaren Energien besteht (3). Dazu kommt, dass Flugzeuge noch weitere klimaschädliche Emissionen verursachen und diese vor allem in der oberen Troposphäre (8-10 km Höhe) freisetzen, wo ihr Einfluss auf den Treibhauseffekt deutlich stärker ist. Durch bessere Auslastung können übrigens Fernbusse sogar effizienter sein als Züge (4). Auf mittlere und längere Distanzen verursachen Busse und Züge auch geringere Umweltkosten als Elektroautos (4). Und mit Kreuzfahrtschiffen brauchen wir gar nicht erst anfangen (5)!
In vielen Sektoren (u.a. Elektrizität, Heizung, Industrie) gab es in den letzten Jahren und Jahrzehnten kontinuierliche (wenn auch immer noch nicht ausreichende) Erfolge in der Reduktion von Emissionen – aber der Bereich Transport und Flugverkehr stagniert größtenteils. Aus diesem Grund sind Forderungen der Zivilgesellschaft und öffentlicher Druck auf den übermäßigen Einfluss der fossilen Lobby und überkommener Haltungen in der Industrie besonders wichtig.
Entscheidungen auf sehr deutliche Weise zusammen. Darin zeigt sich, wie der Kampf gegen die Klimakrise und für einen grundlegenden Systemwandel nur durch das Zusammenspiel von veränderten Einstellungen, veränderten politischen Richtlinien und den richtigen Technologien umgesetzt werden kann. Diese Veränderungen werden aber in vielen Ländern durch Wirtschaftsbosse und durch Regierungsentscheidungen aktiv behindert. Fossile Subventionen, zum Beispiel, sind eine massive Verschwendung von Steuergeldern, die viel eher dem Gemeinwohl zugutekommen sollten. Deutschland gibt jedes Jahr mehr als 45 Milliarden € für direkte und indirekte fossile Subventionen aus (für fossile Energieträger, Verzicht auf Mehrwertsteuer für internationale Flüge, Dienstwagenprivileg etc.) (6). Wenn man diese Summen mit den jährlichen Kosten des immer wieder von rechter Presse und rechten Politikern infrage gestellten Deutschlandtickets vergleicht – 1,5 Milliarden € jährlich, 2,5 Milliarden für das 9€-Ticket im Jahr 2022 – dann ist diese Diskrepanz offensichtlich und skandalös!
2.) Was sind die vernünftigen Forderungen?
· bezahlbare öffentliche Verkehrsmittel
· bezahlbare Zugtickets im Regional- und Fernverkehr
· Bessere Schieneninfrastruktur
· Güterverkehr von Luft und Straße auf die Schienen verlagern
· Mehr Nachtzüge als Alternative zum Flugzeug
· Privatjets verbieten
· Kurzflugstrecken abschaffen
· Vielflieger besteuern und die wahren Umweltkosten in Flugtickets einpreisen
· Subventionen und Steuervorteile für fossile Energien streichen (Kerosin besteuern, Dienstwagenprivileg abschaffen, etc.)
· Tempolimits auf den Straßen (20 km/h in Wohngebieten, 30 km/h innerorts, 80 km/h außerorts, 100 km/h auf der Autobahn)
· am Verbrenneraus für Autos festhalten
· höhere Steuern und Parkgebühren für SUVs
· intelligente öffentliche Verkehrsmittel und Fahrgemeinschaften in ländlichen Gebieten
· mehr autofreie Zonen in Städten
· mehr und sicherere Radwege
· urbane Planung auf 15-Minuten-Städte ausrichten, damit Menschen im Alltag mehr zu Fuß erreichen können
3.) Warum hat dies auch Vorteile jenseits der Emissionen?
Ein bezahlbares, sicheres und attraktives System öffentlicher Verkehrsmittel fördert den sozialen Zusammenhalt und ein Gefühl geteilter Rechte und Verantwortung für öffentliche Infrastrukturen. Es ermöglicht sozial benachteiligten Menschen Teilhabe und Zugang zu Orten der Arbeit, Bildung, Kultur und Freizeit, die ihnen sonst nicht zugänglich sind. Wir müssen uns von der subjektiv wahrgenommenen und – durch politisch hergestellte Umstände – faktisch existierenden Abhängigkeit vieler vom individuellen Automobilverkehr lösen. Diese verursacht psychologischen Stress, Umweltschäden und stellt eine übermäßige Beanspruchung für unsere öffentlichen Räume dar. Eine ökologisch verträgliche, nicht-fossile Verkehrsinfrastruktur ist letzten Endes auch ökonomisch nachhaltiger und macht unsere Gesellschaft resilienter und unabhängiger (7).
Dazu kommen die offensichtlichen und unmittelbaren Vorteile für die individuelle Gesundheit. Zufußgehen und Radfahren beugen Herz-Kreislauf-Krankheiten vor. Die Bewegung im Freien stärkt die seelische Gesundheit und reduziert Stress. Autos verursachen nicht nur Treibhausgasemissionen sondern auch andere Verschmutzungen. Deswegen führt weniger und langsamerer automobiler Straßenverkehr zu einer erheblichen Verbesserung der Luftqualität und damit auch der allgemeinen Gesundheit (8).
Quellen:
(1) https://edgar.jrc.ec.europa.eu/dataset_ghg2025#p1m
(2) https://ourworldindata.org/grapher/ghg-emissions-by-sector?tab=discrete-bar&time=latest&country=~DEU
(3) https://www.co2online.de/klima-schuetzen/bahn-oder-flugzeug-der-vergleich/
(4) https://www.vcd.org/artikel/verkehrsmittel-im-vergleich/
(5) https://www.goclimate.de/artikel/co2-kreuzfahrt/#was-verbraucht-mehr-co2-flugzeug-oder-schiff
(6) https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umweltschaedliche-subventionen-in-deutschland-0
(7) https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umweltvertraglicher-verkehr-2050-argumente-fur-eine
(8) https://breathecities.org/breathe-better-how-leading-cities-have-rapidly-cut-air-pollution/